Woher kommt die aktuelle Welle von Cyberangriffen?

Benachrichtigungsglocke, umgeben von Warnmeldungen auf grünem Hintergrund.

In den letzten Tagen und Wochen haben zahlreiche Cyberangriffe für Schlagzeilen gesorgt. Allein in der Schweiz waren unter anderem Pensionskassen, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) sowie das Onlinemagazin «Republik» von Angriffen betroffen. In Dänemark wurden über das zentrale Melderegister 8,8 Millionen Personendaten abgegriffen, während Hacker in Frankreich Kühlregale von rund 150 Supermärkten lahmgelegt haben. Wie kommt es zu dieser Häufung von Vorfällen?

Wer in letzter Zeit News gelesen hat, ist kaum um Meldungen von Cyberangriffen herumgekommen. Für sich genommen mögen die Fälle heutzutage kein grosses Erstaunen mehr auslösen, doch in der Gesamtschau ist bemerkenswert, wie viele Organisationen innerhalb kurzer Zeit Opfer von erfolgreich durchgeführten Angriffen geworden sind.

Hier eine nicht abschliessende Übersicht der wichtigsten Vorfälle, die sich von Ende September bis Mitte Oktober ereignet haben:

Nehmen die Vorfälle zu?

Systematische Erhebungen bestätigen den Eindruck, dass die Anzahl von Cyberangriffen steigt. So wurden z.B. laut dem IT-Sicherheitsunternehmen Check Point im September 2026 weltweit 48% mehr Angriffsversuche verzeichnet als im Vorjahresmonat.

Zudem könnten erweiterte Meldepflichten, wie sie z.B. NIS2 und DORA in der EU vorsehen, indirekt zur Folge haben, dass betroffene Unternehmen bei einer Meldung an die Behörden aus Transparenzgründen auch gleich die Öffentlichkeit in Kenntnis setzen und sich dadurch die Medienberichte häufen.

Wie kommt es zur Zunahme?

Eine naheliegende Vermutung ist, dass immer leistungsfähigere KI-Modelle, welche von Cyberkriminellen eingesetzt werden, für diese Zunahme an Angriffen verantwortlich sind. So hat z.B. Bill Gates kürzlich vor einer «escalation in AI-powered cyberattacks» gewarnt. Und der Schweizer Bundesrat hat in seinem «Bericht über den Einfluss von künstlicher Intelligenz in der Cybersicherheit» bereits Ende 2025 darauf hingewiesen, dass KI das Volumen an Cyberangriffen erhöhen wird.

Natürlich gilt es auch zu berücksichtigen, dass mit der voranschreitenden Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen eine grössere Angriffsfläche einhergeht und Angreifern daher auch immer mehr Ziele zur Verfügung stehen. Überdies gibt es nicht nur immer mehr Online-Dienste, sondern diese werden auch immer komplexer und bieten dadurch potenziell mehr Angriffsmöglichkeiten.

Insbesondere können empfindliche Abhängigkeiten entstehen, wenn Dienste auf andere – und diese ggf. wiederum auf andere – zurückgreifen. So waren z.B. die Pensionskasse des Bundes sowie die «Republik» Opfer eines so genannten «Supply-Chain-Angriffs»: Dabei steht nicht das Unternehmen direkt, sondern zunächst ein schwaches Glied in dessen IT-Lieferkette im Fokus der Hacker.

Ein zentraler Einfluss von KI in diesem Zusammenhang dürfte jedoch kaum in Frage stehen, zumal KI Angriffe einfacher, effiziente und skalierbarer macht. So beobachten wir z.B. auch bei unserem Bug-Bounty-Programm einestarke Zunahme an eingereichten Reports, die zeitlich ziemlich klar mit Fortschritten der KI-Technologie korreliert.

Was ist zu tun?

KI steht grundsätzlich beiden Seiten zur Verfügung, nicht nur den Angreifern. Viele Unternehmen setzen KI jedoch bloss ein, um ihre Effizienz im Tagesgeschäft zu steigern. Dadurch entsteht übrigens womöglich ein weiteres Einfallstor für Angreifer (ähnlich, wie es z.B. bei Verwendung ungeeigneter Chat-Dienste der Fall ist). KI kann hingegen auch genutzt werden, um die eigenen Systeme abzusichern. Insbesondere empfiehlt sich für Online-Dienste, professionelle Sicherheitsaudits durchführen zu lassen, welche ggf. ihrerseits auf KI-Modelle zurückgreifen, um Schwachstellen zu entdecken.

Allerdings ist auch mit den besten Sicherheitsaudits keine hundertprozentige Sicherheit garantiert – weil es sie nicht gibt. Deshalb ist die nach wie vor beste Herangehensweise, dem «Privacy by Design»-Prinzip zu folgen und von vornherein nur so viele Daten wie technisch zwingend nötig zu erheben. Denn nur dort, wo erst gar keine Daten vorhanden sind, können auch garantiert keine abgegriffen werden.

Dass bei der aktuellen Welle von Cyberangriffen umfangreiche Mengen an Personendaten abgegriffen wurden, stellt eine tiefgreifende Beeinträchtigung der Privatsphäre aller Betroffenen dar. Erschwerend hinzu kommt, dass die Häufung solcher Vorfälle zu einer Normalisierung von Datenabflüssen führen und der dringend nötigen Sensibilisierung für die Wichtigkeit von Online-Privatsphäre noch entgegenwirken kann.