Privatsphäre-Tipps vom Threema-Team

Sprechblase mit einer Hand, die eine leuchtende Glühbirne hält.

Sucht man im Internet nach Tipps, um die Online-Privatsphäre zu schützen, wird man schnell fündig: pro Dienst ein eigenes Passwort setzen, Updates möglichst schnell herunterladen, privatsphärefreundliche Alternativen zu Big Tech nutzen. Damit ist sicher die Grundlage gelegt, aber da geht noch mehr. In diesem Beitrag haben wir einige der besten Privatsphäre-Tipps aus dem Threema-Team zusammengetragen – von allgemeinen bis hin zu sehr spezifischen Massnahmen.

Die Online-Privatsphäre zu schützen, muss nicht kompliziert oder aufwendig sein. Das beweisen zahlreiche Ratgeber zum Thema, und auch eine einfache Abfrage bei der Suchmaschine Ihrer Wahl (Bonuspunkte, wenn es nicht Google ist) liefert gute Ergebnisse.

Wer bei den Basics beginnen will, wird etwa bei der Digitalen Gesellschaft fündig: Neben grundlegenden Erklärungen liefert die «kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung» eine Liste mit privatsphärefreundlichen Alternativen zu Google, WhatsApp und Co. Auch die Website des Privacy Checkups enthält eine Liste mit Empfehlungen zu Software, die Ihre Privatsphäre zuverlässig schützen.

Bei Threema beschäftigen wir uns nicht nur beruflich mit Privatsphäre-Schutz, sondern legen auch im Privatleben Wert darauf. Entsprechend sind bei einer internen Umfrage einige Tipps zusammengekommen, die weit über die Grundlagen hinausgehen. Ob eher allgemeine Massnahmen oder solche, die ein gewisses technisches Know-how erfordern: Erachten Sie die Liste als Inspiration, um Ihre Datenspur im Internet (weiter) zu reduzieren.

Kleine Änderungen, grosse Wirkung

  • Überlegen, welche Informationen ein Dienst wirklich benötigt: Viele Anbieter fragen nach Daten, die für die eigentliche Funktion des Dienstes gar nicht nötig sind. Indem Sie nur das absolut Notwendige angeben, reduzieren Sie Ihren digitalen Fussabdruck und verhindern unnötiges Profiling. Postsendungen kommen etwa auch dann an ihrem Ziel an, wenn bei der Bestellung nur der Nachname angegeben wird.

  • Online-Shopping anonymisieren: Recherchieren Sie Produkte im privaten Modus und bestellen Sie idealerweise ohne Kundenkonto. So kann in manchen Fällen verhindert werden, dass Shops ein langfristiges Profil Ihrer Interessen erstellen oder Preise basierend auf Ihrem Nutzerverhalten anpassen.

  • Keine automatische Ausfüllfunktion im Browser verwenden: Automatische Ausfüllfunktionen speichern persönliche Daten im Browser. Dies ist ein Sicherheitsrisiko, falls jemand Zugriff auf Ihren Computer erhält oder Schadsoftware Ihre Daten ausliest.

  • Cookies automatisch ablehnen: Tools wie Consent-O-Matic übernehmen das mühsame Ablehnen von Tracking-Einwilligungen auf Webseiten automatisch. Das spart Zeit und stellt sicher, dass Sie nicht versehentlich zu viele Daten preisgeben.

Die richtigen Werkzeuge

  • Alternativen zur Google-Suche nutzen: Privatsphärefreundliche Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Brave Search oder Startpage speichern keine persönlichen Daten über Ihre Anfragen und erstellen kein Nutzerprofil. Dadurch werden Sie nicht durch gezielte Werbung getrackt und erhalten neutrale Ergebnisse.

  • Vertrauenswürdigen VPN nutzen: Ein VPN wie Mullvad verschleiert Ihre IP-Adresse und verbirgt Ihre Internetverbindung vor Servicebetreibern. Das macht es für Dritte deutlich schwieriger, Ihren Standort und Ihr Surfverhalten zu verfolgen.

  • Erinnerungs- und Kalenderapps nutzen, die lokal oder Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind: So können weder der Anbieter noch Hacker Ihre privaten Termine und Erinnerungen mitlesen. Die Daten werden entweder nur auf Ihrem Gerät gespeichert oder so verschlüsselt, dass nur Sie den Inhalt sehen können.

  • CryptPad statt Microsoft Word: CryptPad ist ein Tool für gemeinsame Dokumente, bei dem alle Inhalte Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Das bedeutet, dass weder der Anbieter noch Dritte Ihre Texte lesen können – im Gegensatz zu Google Docs oder Microsoft Word.

Das Smartphone absichern

  • GrapheneOS verwenden: GrapheneOS ist eine stark abgesicherte Android-Variante, die auf Sicherheit und Privatsphäre setzt. Sie fügt keine Google-Dienste hinzu und schirmt Nutzer entsprechend von Googles Datenverarbeitung ab.

  • Unter GrapheneOS den Internetzugriff nur für zwingend notwendige Apps erlauben: Hier können Sie Apps den Internetzugriff komplett entziehen, selbst wenn die App diesen eigentlich anfordert. So verhindern Sie, dass Programme im Hintergrund heimlich Daten an Server senden, obwohl sie eigentlich offline funktionieren könnten.

  • Unter iOS iCloud Private Relay nutzen: Diese Funktion verschleiert Ihre IP-Adresse und DNS-Anfragen in Safari. Dadurch wird es für Webseiten und sogar für Apple schwieriger, Ihr genaues Surfverhalten und Ihren Standort zu verfolgen.

  • Unter iOS den erweiterten Datenschutz aktivieren: Mit dem erweiterten Datenschutz werden fast alle Ihre iCloud-Daten – Fotos, Notizen, Backups – Ende-zu-Ende-verschlüsselt, so dass selbst Apple keinen Zugriff mehr darauf hat. Sie allein besitzen den Schlüssel zu Ihren Daten.

  • Standortzugriff und Sensorberechtigung nur erteilen, wenn wirklich nötig: Viele Apps fragen Berechtigungen an, die sie für ihre Funktion gar nicht brauchen. Indem Sie diese einschränken, verhindern Sie, dass im Hintergrund heimlich Bewegungs- oder Standortprofile erstellt werden.

Kommunikation und Identität strategisch schützen

  • Auf verschlüsselte Kommunikationswege wechseln: Wenn Sie über unsichere Kanäle wie E-Mail kontaktiert werden, schlagen Sie einen Wechsel auf einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Kanal vor. So stellen Sie sicher, dass keine Dritten die Inhalte Ihrer Konversation mitlesen können.

  • In Threema Lesebestätigungen nur mit bestimmten Personen teilen: In der Threema-App können Sie individuell festlegen, wer sehen darf, ob Sie eine Nachricht bereits gelesen haben. So bewahren Sie Ihre Privatsphäre und vermeiden den Druck, sofort auf jede Nachricht antworten zu müssen.

Schutz unterwegs und im Alltag

  • Bargeld verwenden: Barzahlungen hinterlassen im Gegensatz zu Karten oder Apps keine digitalen Spuren. So verhindern Sie, dass Banken oder Zahlungsdienstleister ein detailliertes Profil Ihres Kaufverhaltens erstellen. Ihr Konsum bleibt somit privat und anonym.

  • Auf Reisen eine lokale SIM-Karte besorgen: Eine lokale SIM verhindert, dass Ihr heimischer Provider oder ausländische Netzbetreiber Ihre Bewegungen lückenlos tracken. Damit vermeiden Sie, Ihre private Nummer bei lokalen Diensten hinterlegen zu müssen, und Sie können die neue Nummer nutzen, um sich vorübergehend bei Messengern anzumelden, die fürs Reisen praktisch sind, aber eine Telefonnummer erfordern.

  • Für jede Reise neue Accounts bei den Buchungsplattformen erstellen: So verhindern Sie, dass Plattformen über Jahre hinweg ein detailliertes Profil Ihrer Reisegewohnheiten und Vorlieben erstellen. Es erschwert die Verknüpfung verschiedener Aufenthalte mit Ihrer Identität.

Auch wenn wir so gut wie nichts über unsere Nutzer wissen, kann man davon ausgehen, dass viele – wenn nicht sogar die meisten – sich mit Datenschutz und Online-Privatsphäre gut auskennen. Wenn Sie wichtige Tipps zum Thema Datenschutz haben, teilen Sie diese bitte auf unseren Social-Media-Kanälen. Vielleicht finden sie dann Eingang in den zweiten Teil dieser Reihe.